Mobile Kleintierkardiologie
Dr. med. vet. C. Schinner-Peters
Tierärztin
Zusatzbezeichnung Kardiologie (Kleintiere)

Herzerkrankungen beim Hund

Angeborene Herzerkrankungen beim Hund

Persistierender Ductus arteriosus

Im fetalen Blutkreislauf stellt der Ductus arteriosus eine Verbindung zwischen der Hauptschlagader und der Lungenarterie dar, womit der Lungenkreislauf im Fetus umgangen wird. Normalerweise schließt sich der Ductus arteriosus in den ersten Lebenstagen. Bleibt das Gefäß nach der Geburt bestehen, so spricht man vom persistierenden Ductus arteriosus Botalli, oder Ductus arteriosus persistens oder abgekürzt PDA. Es handelt sich so gesehen also nicht um einen Herzfehler, sondern um eine Gefäßanomalie, die erhebliche Folgen für das Herz-Kreislaufsystem haben kann. Durch die physiologische Blutflussrichtung von Aorta in die Lungenarterie fließt eine enorme Menge an Blut über die Lungenarterie in die Lunge und kommt über die Lungenvenen wieder im linken Herzen an. Dies führt bei einem großen PDA zu einer hochgradigen Volumenbelastung des linken Herzens und kann bei einem großen PDA im Herzversagen enden. Steigert sich jedoch der Druck auf der Lungenseite, so kann es zu einer Shuntumkehr kommen. Das heißt, wenn der Druck auf der Pulmonalarterienseite größer ist als in der Aorta, dann kehrt sich zwangsläufig die Blutflussrichtung um. Ein großer PDA muss möglichst früh erkannt und chirurgisch verschlossen werden. Die minimalinvasive Verschlusstechnik mit Coil- oder Amplatzerverschlüssen stellt derzeit die Methode der Wahl dar.

 

Subaortenstenose

Die Aortenstenose ist eine angeborene oder erworbene Verengung (Stenose) des Ausflusstrakts der linken Kammer in die Aorta. Beim Hund stellt die häufigste Form die sogenannte Subaortenstenose dar, wobei sich hier ein fibröser Ring unterhalb der Aortenklappen befindet. Diese Form zählt zu den angeborenen Erkrankungen und man geht von einem autosomal dominanten Vererbungsgang aus. Die Verengung des Aortenausflusstraktes führt zu einem Druckanstieg in der linken Kammer. Der Herzmuskel der linken Kammer reagiert folglich mit Zunahme an Dicke. In schweren Fällen kann es aufgrund der massiven Muskelzunahme zur partiellen Unterversorgung von Muskelarealen mit Blut kommen, was Arrhythmien triggern kann. Die Subaortenstenose kommt vor allem bei großen Hunderassen vor. Tiere mit dieser Erkrankung müssen von der Zucht ausgeschlossen werden. Leider stehen im Moment als Mittel der Wahl zur Behandlung nur Medikamente zur Drucksenkung zur Verfügung, eine OP ist mit hohen Risiken behaftet und wird in Deutschland nicht routinemäßig durchgeführt. Ziel ist es, Hunde mit dieser Erkrankung von der Zucht auszuschließen.

 

Pulmonalstenose

Die Pulmonalstenose ist eine angeborene Verengung (Stenose) der Lungenarterienwurzel. Beim Hund stellt die häufigste Form die sogenannte valvuläre Pulmonalstenose dar, wobei sich hier um eine Verklebung/Verdickung/Verengung des Klappenapparates handelt. In einer Unterform dieser Erkrankung kann auch der Ausflusstrakt insgesamt verengt sein. Subvalvuläre und supravalvuläre Stenosen sind seltener. Bei der Pulmonalstenose geht man ebenfalls von einem polygenetisch vererbbaren Geschehen aus, demnach ist die Pulmonalstenose eine der häufigsten vererbten Herzerkrankungen. Die Verengung des Ausflusstraktes aus der rechten Kammer führt zu einem Druckanstieg in der rechten Kammer. Der Herzmuskel der rechten Kammer reagiert folglich mit Zunahme an Dicke. Wenn die Erkrankung zusammen mit einer Trikuspidalinsuffizienz vorkommt, kann es zum Rechtsherzversagen kommen. Die Behandlung der Wahl im hochgradigen Fall stellt die möglichst frühe Ballonierung der Pulmonalklappen dar, um den Druckgradienten zu senken. Hunde mit Pulmonalstenose sollten von der Zucht ausgeschlossen werden.

 

Mitralklappendysplasie

 

 

Trikuspidalklappendysplasie

 

 

Fallotsche Tetralogie

 

 

Ventrikelseptumdefekt

 

 

Persistierender rechter Aortenbogen

 

 

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Herzerkrankungen beim mittelalten bis alten Hund

Mitralklappenendokardiose

Die Mitralklappenendokardiose ist eine degenerative Erkrankung der Strukturen des Klappenapparates und stellt die häufigste Herzerkrankungd es älteren und vor allem kleinen Hundes dar. Strukturveränderungen treten sowohl an den Klappen als auch am Aufhängeapparat der Klappen auf. Als Folge können sich Bindegewebsschichten ablösen und die Klappe an sich quillt auf bzw. schwillt an. Im frühen Stadium kommt es bereits zu einer Vorwölbung der Klappen in den linken Vorhof (Mitralklappenprolaps), im späten Stadium können auch Strukturen des Halteapparates reissen und es kommt zum Durchschlagen der Klappen in den Vorhof (Flail). Durch das Aufquellen und der Ablösung von Bindegewebsschichten an den Klappen, kommt es schließlich zu einer Undichtigkeit (Insuffizienz) der Klappen in der Systole, wenn sie eigentlich geschlossen sein sollten. Das Herz wird folglich immer mehr volumenüberladen.Schließlich kommt es zum stauungsbedingten Herzversagen (Lungenödem, Bauchwassersucht). Die Einteilung in Schweregrade und dementsprechend angepasste medikamentöse Therapie erfolgt im Moment entsprechend der Guidelines des American College of veterinary internal medicine und der europäischen CHIEF-Klassifizierung.

 

Dilatative Kardiomyopathie

Bei der dilatativen Kardiomyopathie (DCM oder DKM) handelt es sich um eine primäre Herzerkrankung des Herzmuskels, für welche einige große Hunderassen prädisponiert sind. Die Erkrankung geht aufgrund von Strukturveränderungen des Herzmuskels mit einer Reduktion der Pumpkraft einher. So kommt es wie bereits bei der Mitralklappenendokardiose beschrieben zu einer Volumenüberladung und zum Teufelskreislauf, der letztendlich zum Herzversagen führt. Klappeninsuffizienzen treten hierbei als Folge der Volumenüberladung auf und nicht aufgrund eines primären Klappenproblems. Wie in der Humanmedizin, stellt die DCM zum Großteil ein hereditäres (vererbtes) Problem dar. In der Humanmedizin geht man davon aus, dass bis zu 50 % der DCM-Fälle familiär bedingt sind. Beim Dobermann und beim Boxer gibt es eine Sonderform der DCM, die primär mit Arrhythmien beginnt. Mit Medikamentöse Therapie beschränkt sich auf Steigerung der Pumpkraft mit einem Inodilatator sowie auf die Kontrolle des Herzversagens und der Arrhythmien.

 

Dobermannkardiomyopathie

Bei dieser Form der dilatativen Kardiomyopathie treten zunächst mit Arrhythmien auf, welche zu Ohnmachtsanfällen oder sogar zum plötzlichen Herztod führen können (bevor der Hund jemals klinisch auffällig war). Diese Form kann, aber muss nicht zusätzlich eine Pumpschwäche entwickeln. Deshalb kann es hier zum stauungsbedingtem Lungenödem/Bauchwassersucht/Pleuralerguss kommen, wenn das Tier nicht bereits einem Sekundentod erlegen ist. Die Prävalenz der Dobermannkardiomyopathie liegt laut europäischen und amerikanischen Studien bei über 50 %. Die Diagnose erfolgt per Langzeit-EKG-Untersuchung und Herzultraschall. Die Therapie soll zielgerecht die Arrhythmien kontrollieren sowie den Sekundentod und das Herzversagen hinauszögern.

 

Boxerkardiomyopathie

Die Boxerkardiomyopathie wird offiziell als arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie (ARVC) bezeichnet. Eine genau solche DCM-Form gibt es auch beim Menschen und bei der Katze. Die ARVC entsteht auf zellulärer Ebene durch Fetteinlagerungen in das Herzmuskelgewebe. Ebenso ist eine Beeinträchtigung des Kalziumtransports beschrieben. Eine Besonderheit der ARVC ist, dass sie meistens nur mit Arrhythmien einhergeht, die aus der rechten Kammer stammen, jedoch endet diese Erkrankung meistens nicht mit einer DCM, also einer Dilatation der Kammer. Die Arrhythmien führen beim Boxer ähnlich wie beim Dobermann zu Ohnmachtsanfällen und schließlich zum Sekundentod. Mit der geeigneten Therapie soll vor allem der durch bösartige Arrhythmien verursachte frühe plötzliche Herztod verhindert werden.

 

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Andere erworbene Herzerkrankungen beim Hund

Perikarderguss

Bei einem Herzbeutelerguss (Perikarderguss) kommt es zu einer Ansammlung an Flüssigkeit im Spalt zwischen dem Herz und dem Herzbeutel. Steigt die Menge der Flüssigkeit, so steigt auch der Druck, der von außen auf das Herz einwirkt, da der Herzbeutel nur eine begrenzte Dehnbarkeit aufweist. Der erhöhte Druck auf das Herz führt zur Kompression (Eindrückung) der Herzkammern. Dadurch wird eine normale Füllung mit Blut verhindert und der Herzauswurf nimmt stark ab. Die Ursachen eines Perikardergusses sind vielfältig. Am häufigsten jedoch kann man Tumoren im oder am Herzen vorfinden. Andere Ursachen wären Mikrorupturen einer erkrankten Kammer, Entzündung des Perikards, Gerinnungsstörung usw.. Seltener als Ursache zu sehen sind vorgefallene Bauchorgane (perikardioperitoneale Hernie). Sehr oft kann aber keine Ursache für den Perikarderguss gefunden werden (idiopathischer Perikarderguss). Eine Punktion des Perikardergusses stellt die NOTFALL-Therapie der Wahl dar, Medikamente zur Entwässerung bringen bei dieser Erkrankung leider NICHTS, sondern verschlechtern eher die Kreislaufsituation.

 

Herzwurmerkrankung

Herzwürmer werden in südlichen Ländern (in Europa Mittelmeerländern) von unterschiedlichen Mückenarten übertragen. Sie siedeln sich in den Lungenarterien des Hundes und der Katze an und erreichen dort die Größe von ca. 30 cm! Bei hochgradigem Befall kommt es schließlich zu einem Rechtsherzversagen. Ziel ist es vor allem bei unseren reisenden Tieren mit geeigneter Prophylaxe einen Befall zu verhindern und Patientenbesitzer vor einer Reise ausreichend zu beraten. Sollte es zu einem Befall kommen, so reichen gängige Entwurmungsmittel leider nicht für die Behandlung aus.

 

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Arrhythmogene Erkrankungen beim Hund

AV-Block

Folgendes EKG wurde bei einem Hund angefertigt, der mehrmals am Tag eine Synkope erlitt. Es handelt sich um einen AV-Block II. Grades Typ High Grade. Therapie erfolgte erfolgreich mit einem Herzschrittmacher.

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Sick Sinus Syndrome

EKG eines Hundes (West Highland White Terrier)  mit Sick Sinis Syndrome. Dieser Hund ist jeden Tag 1x in Ohnmacht gefallen. Therapie erfolte erfolgreich mit einem Herschrittmacher.

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Vorhofflimmern

Dieses EKG stammt von einem Hund, der mit schnellem Vorhofflimmern infolge einer fortgeschrittenen Mitralklappenendokardiose vorgestellt wurde. Folgendes EKG wurde nach Einstellung mit Medikamenten angefertigt. Die Therapie hat angeschlagen. Der Hund hat nur noch langsames Vorhofflimmern!.

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Arrhythmogene Form der Dobermannkardiomyopathie

 

 

Arrhythmogene Form der Boxerkardiomyopathie

 

 

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